Ortsbeschreibung

 

Reichenbach war schon vor der Klostergründung Mittelpunkt eines grundherrschaftlich organisierten und verwalteten Bezirks. 1118 gründete Markgraf Diepold III. von Cham-Vohburg auf Bitten seiner Mutter Luitgart das Kloster und übereignete ihm diesen Besitz sowie anderes reiches Stiftungsgut. Sie sorgte auch für die Besiedlung mit Benediktinermönchen aus dem Kloster Kastl bei Amberg. Reichenbach erlebte in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens eine frühe Blüte. Schon 1135 konnte die Kirche durch Bischof Heinrich I. von Regensburg geweiht werden. Der Brand des Klosters 1181 brachte einen Rückschlag, doch der Wiederaufbau gelang sehr rasch. Die Bestätigungen der Schutzbriefe durch Papst Luzius III. und Kaiser Friedrich I. im Jahre 1182 bestärkten die Rechtsstellungen des Klosters von neuem.

 

Nachdem die Wittelsbacher 1204 die Vogtei übernommen hatten, verlor Reichenbach seine regionale Bedeutung. Es sank zu einem Landkloster herab. Im 14. Jahrhundert vollzog sich eine Wende zum Besseren. Unter Abt Friedrich II. Heinrichsreuther (1320 – 1346) herrschte wieder eine ausgezeichnete Klosterdisziplin. 1394 wurde Johannes Strolenfelser, ein Kastler Konventuale, als Reformabt eingesetzt und Reichenbach in der Folgezeit sogar ein Reformzentrum. Nach Einführung der Kastler Reform leisteten die Äbte auf baulichem und wissenschaftlichem Gebiet Bedeutendes. Anfang des 15. Jh. wurde das Kloster weitgehendst neu im gotischen Stil erbaut und Befestigungsanlagen errichtet. Diese verhinderten 1428 und 1433 die Hussiteneinfälle. Bis zum Ende des 15. Jh. fanden auch die Wissenschaften, vor allem Mathematik und Astronomie eine besondere Förderung. Der astronomische Turm nordöstlich der Klosterkirche ist ein sichtbarer Überrest dieser Bestrebungen. Es wurden aber auch Theologie und die Geisteswissenschaften gepflegt; die Bibliothek umfasste damals über 1000 Bände.

 

1556 erfolgte die erste Aufhebung des Klosters. Es ging in den Besitz des Kurfürsten von der Pfalz über und wurde lutherisch. Die Bilderstürmer vernichteten um 1570 viele Kunstwerke. Ab 1626 erfolgte in Reichenbach die Rekatholisierung. 1661 zogen die Benediktiner wieder ein, allerdings noch unter kurfürstlicher Administration und ab 1669 unter der Verwaltung von St. Emmeram in Regensburg. Ab 1695 war das Kloster wieder eine selbstständige Abtei. In dieser zweiten benediktinischen Epoche wurden die Klostergebäude anstelle des mittelalterlichen Konventbaus von Grund auf neu erbaut und die Kirche im spätbarocken Stil umgestaltet. Die Fresken werden den Malern Gebhard aus Prüfening zugeschrieben.

 

In der zweiten Hälfte des 18. Jh. entfalteten die meisten Reichenbacher Benediktiner ihre wissenschaftliche und literarische Tätigkeit. Umso schmerzlicher traf deshalb die Säkularisation das Kloster, das 1803 zum zweiten Mal aufgelöst wurde. Die Kirche ist seitdem eine Filialkirche der Pfarrei Walderbach. Die Klostergebäude fanden unterschiedliche Verwendungen, u.a. gründete Heinrich Waffler 1841 eine Steingutfabrik, die er bis 1863 betrieb. 1890 erwarben die Barmherzigen Brüder das stark verfallene Kloster und errichteten ein Wohn- und Pflegeheim für Menschen mit Behinderungen. Angeschlossen ist eine Fachschule für Heilerziehungspflege.

 

Der Kirchenführer „Ehemalige Benediktinerabteikirche Reichenbach“ ist an der Klosterpforte erhältlich.